13.05.2026
Maria und Anna Rauch haben das Depot in der Breite Gasse übernommen und es zu einem Lokal mit Abendbetrieb und steirischen Mitbringseln gemacht.

Wer in Wien ansässig ist und bei „Depot“ nicht zuerst an das deutsche Möbelunternehmen denkt, dem könnte jenes in der Breite Gasse einfallen. Dort finden seit 15 Jahren Lesungen und Podiumsdiskussionen statt. Was eher wenige wissen: Immer wieder haben sich neue Pächter:innen der Gastronomie im Lokal angenommen, langfristig hat sich über die Bewirtschaftung der Kulturveranstaltungen hinaus jedoch nie etwas ergeben. Bis August vergangenen Jahres, als die Schwestern Anna und Maria Rauch erstmals auf den Standort aufmerksam wurden. „Unsere Freundinnen haben uns die Anzeige geschickt. Danach ging alles ganz schnell“, sagen die Steirerinnen im Gespräch mit Gault&Millau. „Wir haben das Projekt eigentlich ohne Konzept und sehr intuitiv begonnen.“
Was nach völliger Spontanaktion klingt, ergibt bei genauerem Hinschauen immer mehr Sinn: Anna und Maria Rauch sind Wirtshauskinder. Ihre Eltern, Karin und Willi Rauch, führen im weststeirischen Stainz den Rauch-Hof, der neben liebevoller Gastlichkeit mit seiner hohen Produktqualität (Gemüse aus eigenem Anbau! Forellen aus eigener Zucht!) begeistert. Die Schwestern arbeiteten in jüngeren Jahren sowie immer in den Sommermonaten im elterlichen Betrieb. Ein Grundverständnis von Gastronomie liegt ihnen also im Blut. Genauso wie die Gastfreundschaft und das kulinarische Verantwortungsbewusstsein.
Nach diesem Leitsatz führen sie nun das Lokal im denkmalgeschützten Gebäude, dessen Fassadenbeschriftung noch an das damals beherbergte „Möbelhaus H. Marek“ erinnert. Drinnen wartet ein charmanter, heller Raum mit bodentiefen Fenstern, zum siebten Bezirk passenden Retro-Möbeln und hölzernen Wandtäfelungen, wo unter anderem kleine Schmetterlings-Intarsien zu sehen sind. Letztere haben die Gastronominnen gemeinsam mit einer befreundeten Künstlerin als wiederkehrendes Motiv gewählt, etwa auf dem Logo oder der Kaffeesammelkarte.
Apropos Kaffee: Der ist biologisch und stammt von der Wiener Rösterei Prem. Weil sich das neue Depot mehr als ein Abendlokal sieht, gibt es daneben Drinks wie Averna Sour (6,90 Euro), Negroni Sbagliato (8,60 Euro) und Mitbringsel aus der Steiermark: glasweisen Schilcher vom Weingut Langmann (4,20 Euro) und hausgemachten Wermut von Mama Karin (5,60 Euro). „Der Wermut kommt besonders gut an, beim Schilcher müssen sich die Gäste noch etwas mehr trauen“, erzählen sie. Eine weitere Empfehlung sprechen die Schwestern für ihre Kuchen und Käse-Toasts aus. Letztere gibt es einmal mit Zwiebelmarmelade, einmal mit Kimchi. Bis auf das Brot – das kommt von der Bäckerei Kasses im Waldviertel – ist alles hausgemacht. Vegane Optionen sind für Anna und Maria Rauch eine Selbstverständlichkeit, ebenso wie die Unterstützung von FLINTA*-geführten Unternehmen.
Wenn Anna Rauch nicht gerade in der Küche steht, studiert sie Naturschutz und Biodiversitäts-Management. Maria Rauch hat Kunstpädagogik an der Angewandten studiert und kümmert sich hauptberuflich ums Depot. Was auch zum Grundgedanken der regelmäßig stattfindenden Gesprächsrunden passt: Es gehe ihnen darum, verschiedenste Menschen zusammenzubringen und ihnen eine gute Zeit zu bescheren, „von der 70-jährigen, die einen Toast bestellt über das Tinder-Date bis hin zu einer Partie, die Karten spielen“, sagen sie.
Über die Sommermonate bleibt das Depot geschlossen, weil die Schwestern ihre Eltern in Stainz unterstützen. Schade um den Schanigarten, wie wir finden, doch es gibt Hoffnung: „Das wird aber das vermutlich letzte Mal sein, wir möchten das Depot künftig ganzjährig betreiben.“ Spätestens dann dürfte auch der Schilcher zuverlässig seinen Platz im Glas der Gäste finden.




Montag bis Donnerstag: 10 bis 23 Uhr
Freitag und Samstag: 12 bis 0 Uhr
von Derya Metzler












Melden Sie sich kostenlos für unseren wöchentlichen Newsletter an.