29.04.2026

Nach langer Ruhepause: Der Donauhof eröffnet

Am 30. April eröffnet das Restaurant, belebt damit das jahrhundertealte Gebäude und bringt zugleich ein Stück Wiener Geschichte in die Engerthstraße zurück.

Gastraum mit Kunst und Original-Kugelleuchten
Gastraum mit Kunst und Original-Kugelleuchten © Cornelius Klimt

In Wien schlummern so manche architektonische Schätze. Sie zu beleben erfordert jedoch viel Geduld, Eigeninitiative und vor allem Imagination dessen, was daraus entstehen kann. Wie beim Donauhof im zweiten Gemeindebezirk, der 1902 erbaut wurde und den sich Cornelius Klimt mit seiner Familie vor zehn Jahren angenommen hat.

Spuren vom Holzlager

Das dunkle Parkett im Fischgrätmuster war damals noch unter einer vier Zentimeter dicken Asphaltschicht versteckt, eine Zwischendecke zog sich durch die Räume, jede Menge Staub und Spuren der früheren Nutzung erinnerten an das ehemalige Holzlager der Familie Hödl, das bislang im Haus situiert war. „Schon da aber hatte der Ort eine gewisse Energie“, erzählt Cornelius Klimt im Gespräch mit Gault&Millau. „Wenn wir jedoch gewusst hätten, wie aufwendig und langwierig das alles wird, hätten wir das Projekt wohl noch einmal überdacht.“

Bei aller mühsamen Arbeit und pandemiebedingten Rückschlägen waren es erfreuliche Überraschungen wie die originalen Kugelleuchten aus 1902, vorgefunden in einer eingezogenen Decke, die Klimt an seiner Vision festhalten ließen. „Nach Abschluss der Renovierung haben wir uns entschieden, den Donauhof mit einem Restaurant zu beleben. Und wir könnten nicht glücklicher darüber sein“, sagt er.

Liebäugeln mit der Wirtshausküche

Nebst der innenarchitektonischen Gestaltung kümmert sich Cornelius Klimt um die Kommunikation und Strategie, die Kulinarik liegt in den Händen von Philipp Schneider und David Adamer. Schneider übernimmt als Serviceleiter das Gastgeben, Adamer ist Küchenchef. Die jungen Vorarlberger arbeiteten zuvor gemeinsam im Bruder in Wien-Mariahilf; der Donauhof ist ihr erstes eigenes Projekt. „Als Cornelius damals mit uns seine Vision für den Ort teilte, hat sich das genau mit unseren Vorstellungen gedeckt“, erzählen sie. Seit Oktober 2025 wird gemeinsam am Konzept gefeilt, das sie am 30. April 2026 nun erstmals ihren Gästen präsentieren.

Wie das genau aussieht? „Zunächst möchten wir kein langes Konzept erklären. Bei uns ist jeder willkommen und niemand ist gezwungen, mehrere Gänge zu essen“, sagt Adamer. Die Küche liebäugelt mit Bekanntem aus der Wirtshauskulinarik, wie den Paradeis-Krautfleckerl mit Sauerrahm (14 Euro), dem geschmorten Schulterscherzel mit Erdäpfelpüree (29 Euro) und dem Rindsrahmherz mit Briocheknödel (22 Euro). Beef Tatar (18 Euro) gibt es auch in einer vegetarischen – und dem Original täuschend ähnlichen – Version mit Melanzani (14 Euro). Immer sonntags kommt ein Braten in die Mitte der Tische, der geteilt werden darf. Ab Sommer soll es Frühstück geben. „Bei uns soll es sich immer wie daheim anfühlen.“ Getränketechnisch wird nur das angeboten, was das Team selbst gerne trinkt; darunter biologische Weine aus Österreich, Italien und Spanien und eigens Fermentiertes wie Kombucha.

Philipp Schneider und David Adamer legen großen Wert auf die Herkunft der Produkte, „wobei unser Netzwerk noch im Aufbau ist“, merken sie an. Das Bio-Fleisch kommt unter anderem von Höllerschmid, Gemüse von Robert Brodnjak und der Bergkäse aus Vorarlberg. Derzeit wird vieles auch selbst gesammelt und ein Bestand an Eingelegtem aufgebaut, etwa mit Bärlauchblüten und grünen Nüssen.

Galerie

© Florence Metzler
© Florence Metzler
© Florence Metzler
© Cornelius Klimt

Ein offener, sich entwickelnder Ort

„Das Haus steht für eine jahrhundertealte Geschichte, die nun weitergeschrieben wird“, merkt Cornelius Klimt an. Bei dieser Geschichte soll auch Kunst eine tragende Rolle spielen. Im Gastraum hängt ein großformatiges Gemälde von Madita Kloss, das im Zuge einer Künstler:innen-Residenz im Haus entstanden ist. Künftig werde es solche „Artist Residences“ wieder regelmäßig geben, als Teil eines offenen, sich entwickelnden Ortes. „Ich wünsche mir, dass man in 100 Jahren noch den Donauhof aufsucht oder zumindest an diese Zeit und an die Erinnerungen zurückdenkt, die hier entstanden sind“, sagt Klimt.

Donauhof

Donnerstag bis Montag 17 bis 24 Uhr
Sonntag 12 bis 20 Uhr
donauhofwien.at

von Derya Metzler

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