13.04.2026
30 Jahrgänge der toskanischen Tenuta Luce: Das Mountain Resort Feuerberg veranstaltete eine spannende Vertikale des Kultweins „Luce".

Es war eine Idee, die nach Hybris klingt: ein toskanischer Baron und ein kalifornischer Pionier beschließen Anfang der 1990er Jahre, mitten im Brunello-Land einen Wein zu produzieren, den es in dieser Form noch nicht gibt. Vittorio Frescobaldi und Robert Mondavi, beide Ikonen in ihrer Hemisphäre, beide mit der festen Idee, dass die Rebsorten Sangiovese und Merlot füreinander bestimmt sind. 1993 kommt der erste Jahrgang. Er hat aus heutiger Sicht seine besten Zeiten vielleicht schon hinter sich. Aber er ist immer noch ein Statement. Und ein historisches Dokument. Zedernholz, Tabak, brüchige, morbide Frucht, die Geschichte eines Anfangs. Aber der Anfang sitzt.
Die Tenuta liegt im Südwesten von Montalcino, auf 350 bis 420 Metern Höhe, zwischen Val d'Orcia und Monte Amiata. 192 Hektar, davon heute 77 bepflanzt. Die höheren, kalkschieferhaltigen Lagen gehören dem Sangiovese, die tieferen, lehmreichen Parzellen dem Merlot – eine klare Arbeitsteilung, die der Assemblage ihre Spannung gibt. Die mediterrane Macchia schützt die Reben, die Brise vom Tyrrhenischen Meer hält die Nächte kühl. Der Luce hat auch in heißen Jahren eine Frische, die ihn von flüchtigeren Supertoskanern unterscheidet.

2004 endet die Partnerschaft mit der Mondavi-Familie offiziell – Lamberto Frescobaldi übernimmt die alleinige Verantwortung für die Kellerei. Es ist eine Zäsur, die sich auch im Wein bemerkbar macht. Ab 2001 war die Ausbauzeit in neuem Barrique schrittweise auf 24 Monate erhöht worden; die neueren Jahrgänge zeigen mehr Dichte, mehr Präzision, mehr Ernsthaftigkeit. Der 2006er demonstriert das eindrucksvoll: schwarze Kirsche, Brombeere, muskulöser Gerbstoff. 95 Punkte – monolithisch. Und für Geduldige gemacht. Der 1999er hatte diese Qualität auf elegantere Art vorweggenommen: kühle Nase, Trüffel, Lakritze, harmonisch und fest. Dass beide Jahrgänge so unterschiedlich und beide so überzeugend sind, sagt viel über das Potenzial des Terroirs.
Heute ist Tenuta Luce eigenständig geführt, faktisch unabhängig von Marchesi Frescobaldi oder Ornellaia, auch wenn das Haus zur gleichen Familie gehört. Der Önologe Alessandro Marini begleitet die Weine, Lamberto Frescobaldi gibt die Richtung vor. Die Erneuerung der Weinberge – größtenteils zwischen 1997 und 2007 umgesetzt, mit über 6.000 Reben pro Hektar – zeigt ihre Wirkung in der Präzision der jüngeren Jahrgänge. Der 2018er erreicht bei James Suckling 97 bis 98 Punkte, der 2019er sogar 99 – der höchste Score in der Geschichte des Weinguts. In der Nase schwarze Kirsche, Pflaume, Kakao, Veilchen; am Gaumen cremig, vollmundig, enorm. Ein Wein, der zeigt, wohin die Reise geht.
Was bleibt vom Stil der frühen Jahre? Wenig. Der Luce der 90er Jahre war eine Kinderstube. Manchmal elegant wie der 1998er mit seinem Pomerol-Anklang und samtigen Tanninen, manchmal sperrig wie der 2001er mit seinen animalischen Noten und erhöhtem Alkohol. Der heutige Luce ist konsequenter, fokussierter, selbstbewusster. Mehr Montalcino, weniger Napa. Das war – nach allem, was Lamberto Frescobaldi erzählt – immer das Ziel. Es hat nur etwas länger gedauert.
Die hier beschriebenen Weine wurden im Zuge einer einzigartigen Veranstaltung am Mountain Resort Feuerberg verkostet. Ein großer Dank gilt Dr. Armin Schön, einem Freund des Hauses, Stammgast und passionierten Weinsammler, der die Weine nicht nur zur Verfügung stellte, sondern auch dafür sorgte, dass die Reihe lückenlos war. Die letzte fehlende Flasche wurde noch am Vorabend aus einer kleinen Vinothek im Friaul geholt. Danke dafür. Der Aufwand hat gelohnt.
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von Jürgen Schmücking












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