19.10.2026
Ein neuer Chef of the Year, Female Power in der Gastronomie, eine herausragende Winzerin und ein Lebenswerk, das Geschichte schrieb.

Welche Restaurants steigen auf, welche Gastronom:innen und Winzer:innen werden ausgezeichnet? Jährlich fiebert Österreichs Gastronomie- und Weinwelt der Präsentation der neuen Gault&Millau Guides entgegen. Als wichtigste Bewertungsplattform des Landes ist Gault&Millau das ganze Jahr über mit anonymen Tester:innen in ganz Österreich unterwegs, die Restaurants besuchen, Küchenleistungen beurteilen und kulinarische Entdeckungen aufspüren. Auch die Weine werden von einer unabhängigen Profi-Jury blind verkostet und nach dem 100-Punkte-System bewertet. Am 19. Oktober wurden die Ergebnisse der neuen Guides 2027 im feierlichen Rahmen im Hilton Vienna Park präsentiert.
Philip Rachinger zeigt, dass große Küche weit über den Tellerrand hinausreicht. In sechster Generation führt er die kulinarische Tradition seiner Familie an der Großen Mühl in Neufelden fort. Nach Stationen im Steirereck und bei Pierre Gagnaire in London entwickelte er im heimischen Mühlviertel seine unverwechselbare Handschrift: eine tiefgründige, eigenständige Küche, geprägt von den Produkten der umliegenden Wälder und Wiesen. Im Restaurant Ois (4 Hauben) serviert er an nur fünf Tischen seine überraschende „Carte blanche“. Doch Rachinger ist weit mehr als ein herausragender Koch. Mit Initiativen wie der „Wirtshausroas“, seinem Engagement für die Wiederbelebung leerstehender Gasthäuser und Projekten wie der „Healthy Boy Band" setzt er sich für eine lebendige Gastronomiekultur ein und bringt internationale Aufmerksamkeit in seine Heimat. Sein Gespür für gesellschaftliche Themen, seine Tatkraft und seine kulinarische Exzellenz machen ihn zum verdienten Koch des Jahres.
*Mit dem neuen Award „Chef of the Year“ ersetzt Gault&Millau den bisherigen Titel „Koch des Jahres“ – auch als Zeichen des Respekts gegenüber den vielen herausragenden Frauen in der heimischen Spitzengastronomie.
Die Female Power nimmt in der heimischen Gastronomie über alle Disziplinen hinweg Fahrt auf. Janina Tragisch vom „Tannenhof" in St.Anton ist „Patissière des Jahres“. Als „Sommelière des Jahres“ überzeugt Nina Fink vom „Gasthaus Haberl & Fink''s Delikatessen“ in Walkersdorf bei Ilz, die als eine der jüngsten Certified Sommelière große Weinkultur ins Wirtshaus bringt. Der „Service Award“ geht an Larissa Andres, Gastgeberin von „Jola“ und „Lara“ in Wien. Dorli Muhr hat den Award „Weingut des Jahres“ erhalten und Winzerin Tamara Kögl vertritt die „Entdeckung des Jahres“.
Eine Ära geht zu Ende. Mehr als vier Jahrzehnte prägten die Brüder Karl und Rudi Obauer Österreichs Gastronomie. Rudi Obauer lernte sein Handwerk bei Troisgros, Émile Jung und Alain Chapel. Karl sammelte seine Kocherfahrungen von Salzburg bis an den Arlberg. Ihr einzigartiger Küchenstil verbindet französische Klassiker mit regionalen Produkten und fernöstlicher Exotik verbunden. Die Obauers haben nicht nur die kulinarische Landschaft Österreichs geprägt, das Netz an Obauer-Schüler:innen ist eine der Säulen der österreichischen Spitzengastronmie. Karl übernahm 1979 das Gasthaus Lebzelter im Markt Werfen von seinem Onkel. Aus dem Salzburger Landgasthof haben die Brüder eine Weltadresse gemacht. Jahrzehnte lang waren sie mit 5 Hauben an der Spitze unserer Bewertungen. Am 26. Oktober schließen Karl und Rudi Obauer ihr Restaurant in Werfen und beenden damit ein Kapitel österreichischer Genussgeschichte.




Im Gault&Millau Restaurantguide erreichen 97 Betriebe eine Auszeichnung mit vier Hauben. Im Vorjahr waren es noch 82 Betriebe. Als Aufsteiger des Jahres überzeugt das St. Peter Stiftskulinarium in Salzburg mit einem Sprung von 13 auf 15,5 Punkte. Mit fünf Hauben sind heuer acht statt neun Restaurants ausgezeichnet. Grund dafür ist die Schließung der „Obauer“ in Werfen.
Mit 758 Einwohner und acht ausgezeichneten Betrieben zeigt der Weissensee in Kärnten eine bemerkenswerte Dichte an kulinarischer Qualität. Gleich fünf Betriebe wurden im Gault&Millau Restaurantguide 2027 aufgewertet. „Die Forelle“ erreicht weiterhin 18,5 Punkte und vier Hauben, das „Rouge Noir“ 17 Punkte und ebenfalls vier Hauben. Das Biohotel Gralhof wurde zudem mit der Auszeichnung „Weinkarte des Jahres 2027“ für den Österreich-Schwerpunkt gewürdigt. Auch Sandra Egger im „Das Leonhard“ setzt ein Zeichen für Female Power in der heimischen Gastronomie.
Bereits zum dritten Mal verleiht Gault&Millau gemeinsam mit der VERBUND AG die „Future Awards“ an neun Betriebe in ganz Österreich. Ausgezeichnet werden Tourismus-, Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe, die sich in besonderer Weise für Umwelt- und Klimaschutz engagieren und mit innovativen Konzepten eine nachhaltige, zukunftsfähige Wirtschaftsweise vorleben.
Für den Gault&Millau Weinguide wurden über 2.000 der besten Weine, Sekte und alkoholfreie Alternativen Österreichs getestet. Erstmals seit seinem Bestehen wurde zudem die Höchstwertung von 100 Punkten vergeben und das gleich für 3 Weine: den Blaufränkisch Alte Reben L 2023 von Moric, den Sauvignon Blanc Südsteiermark DAC Ried Zieregg XT GSTK 2017 von Tement und den Blaufränkisch Carnuntum DAC Ried Spitzerberg-Obere Spitzer 1ÖTW 2023 von Dorli Muhr.
Das Weingut Dorli Muhr wurde darüber hinaus zum Weingut des Jahres gekürt. Ausschlaggebend war eine außergewöhnlich geschlossene Blaufränkisch-Serie des Jahrgangs 2023, welche die Jury mit Präzision, Finesse, Spannung und einer unverwechselbaren Herkunftsprägung begeisterte. Die Auszeichnung würdigt dabei nicht nur Dorli Muhrs konsequente stilistische Handschrift, sondern ausdrücklich auch die Teamleistung hinter den Weinen: Gemeinsam mit Tochter Anna Niepoort und Kellermeister Lukas Brandstätter wird das Weingut in Prellenkirchen im Carnuntum kontinuierlich weiter entwickelt, mit Dorli Muhr als Dirigentin und Brandstätter als jenes „Orchester“, das ihre Ideen mit höchster Präzision in den Keller übersetzt.
Erstmals berücksichtigt Gault&Millau auch alkoholfreie Alternativen zu Wein und trägt damit der wachsenden Bedeutung dieses Segments Rechnung. Die Jury zeigte sich insbesondere vom deutlichen Qualitätsanstieg in den verschiedenen Kategorien beeindruckt. Besonders überzeugen konnten sogenannte „Proxies“, vielschichtige Kompositionen aus unterschiedlichen, häufig auch fermentierten Zutaten. Die Auszeichnung „Freiheit des Jahres 2027“ für die beste alkoholfreie Weinalternative ging an den Ex Sparkling der Familie Weixelbaum aus dem Kamptal.
Die Preisträger des Gault&Millau Hotelguides 2027 wurden bereits im Rahmen der feierlichen Verleihung ausgezeichnet. Für ihre herausragenden Leistungen und besonderen Konzepte erhielten acht Hotels eine Auszeichnung in unterschiedlichen Kategorien. Alle Gewinner im Überblick:
Der Gault&Millau Restaurant- & Hotelguide Südtirol 2027 erscheint im Februar 2027 erstmals gemeinsam mit dem neuen Lizenznehmer Gault&Millau Italien. Einen Vorgeschmack gibt es bereits jetzt: Im Rahmen der Präsentation der österreichischen Gault&Millau-Ergebnisse wurden die Südtiroler Sonderpreisträger 2027 ausgezeichnet. Die Ehrungen würdigen herausragende Persönlichkeiten und Betriebe der Südtiroler Gastronomie und Hotellerie.
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Die Gault&Millau Guide Gala und die einzelnen Auszeichnungen werden von Partnern aus Gastronomie, Genuss und Wirtschaft begleitet. Als Getränke- und Speisenpartner sowie Patronanzpartner der verschiedenen Kategorien leisten sie einen wichtigen Beitrag zur österreichischen Genusskultur und zur Anerkennung herausragender Leistungen in der Branche.
Auch der Edenred Best Lunch Award wurde im Rahmen der Verleihung übergeben. Als österreichweiter Sieger 2026 wurde die Alte Metzgerei in Linz ausgezeichnet – gewählt von rund 23.000 Teilnehmer des jährlichen Votings.
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