14.08.2026

Die Bitterbar eröffnet am Wiener Margaretenplatz

Im einstigen Café Romeo regieren nun regionaler Aperitivo, ausgefeilte Kulinarik und nahezu südeuropäische Verhältnisse.

Valerie Hartmann und Simon Eder bei der Eröffnung
Valerie Hartmann und Simon Eder bei der Eröffnung © Martin Schwanda

Der Süden Europas hat uns so manches voraus. Etwa die gesellschaftliche Akzeptanz des Mittagsschlafs, Espresso, der tatsächlich nur einen Euro kostet, und die herrliche Selbstverständlichkeit, mit der man bei einem Getränk zusammenkommt. Derselbe Gedanke – zumindest Letzterer – schlummerte eine Zeit lang in Simon Eders Kopf, genauso wie der Wunsch, einmal ein eigenes Lokal zu führen. „Irgendwann dachte ich mir: Entweder ich mache es jetzt, oder ich mache es nie.“

Als das fest im Grätzl verankerte Café Romeo am Margaretenplatz nach 50 Jahren neue Betreiber:innen suchte, machte der einstige Musik- und Kulturmanager Nägel mit Köpfen. Eder wohnt selbst nur unweit entfernt und kannte das Romeo entsprechend gut. „Es gehörte zum Platz, hatte seinen eigenen Charme und die Menschen haben es geschätzt. Diesen Grundgedanken wollte ich beibehalten.“ Sieben Monate Umbau und einige weitreichende Renovierungsmaßnahmen später eröffnet er die Bitterbar.

Bitteres mit und ohne Alkohol

Das Lokal schließt damit an die in der Stadt immer populärer werdende Aperitivo-Kultur an und setzt, wie der Name verrät, die Bitterkeit in den Vordergrund. Als großer Wermut-Fan arbeitet Eder mit den aromatisierten Weinen der Wiener Kellerei Burschik. „Ich bin kein Italiener und ich möchte auch nichts imitieren. Wir haben hier großartige Produkte, deshalb war für mich klar, dass ich so regional wie möglich beziehen möchte“, sagt er im Gespräch mit Gault&Millau.

Um auch elaboriertes Alkoholfreies anzubieten, arbeitet Eder mit dem Mixologen Patrick P’Donoghue zusammen. „Wir möchten Apero unabhängig von Alkohol denken. Die Drinks sollen für sich allein stehen“, sagt er. Demnach können auch Drinks aus selbstgemachten Kräuterauszügen geordert werden, die mit bitteren wie auch floralen Noten spielen.

Großer Anklang in der Nachbarschaft

An Simon Eders Seite arbeitet Valerie Hartmann (zuvor in der Küche des Café Caché). Sie kümmert sich als Senior Host ums Gastgeben sowie um die kleinen, beim Aperitivo jedoch unabdingbaren, Gerichte. Auf der Karte stehen etwa Brot vom Meinklang Hofladen, Antipasti, Sardinen aus der Normandie, kleine Pizzen mit Hummus und mediterran abgeschmecktem Gemüse sowie Romesco mit Pimientos de Padrón. Künftig soll weiter an der Karte gefeilt werden, auch Pop-Ups mit anderen Gastronom:innen und Mixolog:innen sind geplant.

Was sich schon am Eröffnungsabend gezeigt hat: Die Freude in der Nachbarschaft über die Weiterführung des einstigen Beisls, wenn auch in anderer Form, ist groß. So groß, dass zwischen Brunnen und Schanigarten für einen Abend beinahe südeuropäische Verhältnisse herrschten. Nicht die schlechteste Voraussetzung für das, was Eder für die Bitterbar langfristig vorschwebt: eine Art „Dorfplatzbar“ mitten in Wien Margareten.

Galerie

© Martin Schwanda
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von Derya Metzler

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